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Piemont

Im Herbst liegt Nebel über den Hügeln der Langhe, und genau dieser Nebel hat der Rebsorte Nebbiolo ihren Namen gegeben: Sie reift spät, lange nach Barbera und Dolcetto, auf Kalk- und Mergelböden zwischen Alba und dem Tanaro. Aus ihr entstehen Barolo und Barbaresco, die strukturiertesten Rotweine Italiens, daneben wächst Arneis auf den sandigen Steillagen des Roero und Timorasso weiter östlich in den Colli Tortonesi. Unsere Weine aus dem Piemont kommen von Vietti in Castiglione Falletto, das seit 1873 keltert und den Arneis vor dem Aussterben bewahrte, von Sottimano in Neive, das seit über vierzig Jahren bio arbeitet und spontan vergärt, und von Chiara Boschis, die den Barolo als einzige Frau der Barolo Boys modernisierte.




Mehr über Piemont

Barolo, Barbaresco und die Herkunftsbezeichnungen der Langhe

Der Tanaro teilt die Weinberge um Alba in zwei Ufer: Rechts des Flusses liegen die Langhe mit den Gemeinden des Barolo und den Hügeln um Barbaresco, links davon das sandige Roero. Barolo und Barbaresco tragen die höchste italienische Stufe, die DOCG, und werden beide aus reinstem Nebbiolo gekeltert. Der Barolo wirft dabei den längeren Schatten: Seine elf Gemeinden reichen von La Morra mit weichen, kalkreichen Mergeln bis nach Serralunga d’Alba, wo ältere, kompaktere Böden straffere, langlebigere Weine geben. Cannubi bei Barolo und Mosconi in Monforte d’Alba zählen zu den Lagen, deren Namen seit Generationen auf den Etiketten stehen. Beim Barbaresco ist die Zone kleiner, die Weine oft eine Spur zugänglicher; Neive gilt als ihr feinstes Dorf. Drumherum gruppieren sich die DOC-Appellationen für Barbera d’Alba, Dolcetto d’Alba und Langhe Nebbiolo, der jüngere, früher trinkreife Bruder der großen Crus.

Kalk, Mergel und Sand: Böden und Klima

Das Klima ist kontinental, mit kalten Wintern, warmen Sommern und kühlen Nächten in der Spätphase der Reife. Genau diese Wechsel geben dem Nebbiolo seine Spannung aus dunkler Kirschfrucht, Veilchen, Teer und feiner Säure. In der Langhe dominieren Kalkmergel und tonige Böden, die dem Wein Tannin und Tiefe verschaffen. Im Roero hingegen stehen die Reben auf ehemaligem Meeresboden: sandige Steillagen, auf denen Nebbiolo duftiger und seidiger wird und die weiße Sorte Arneis mit Kräuternoten und steiniger Frische glänzt. Wer die Jahrgangsstärken vergleichen will, findet in der Jahrgangstabelle für Piemont-Weine eine verlässliche Orientierung.

Die Erzeuger: Vietti, Boschis, Sottimano, Bondonio

Vietti in Castiglione Falletto gehört zu den Häusern, die das moderne Piemont geprägt haben: Alfredo Currado füllte früh einen der ersten Barolo-Crus ab und rettete den Arneis, heute reichen die Einzellagen von Brunate in La Morra bis Lazzarito in Serralunga. Chiara Boschis – E.Pira & Figli arbeitet biologisch zertifiziert und keltert mit Cannubi und Mosconi zwei der kraftvollsten Barolo-Lagen; dazu steht der Via Nuova in der Tradition der Lagen-Assemblage, dunkle Frucht, feine Würze, seidiges Tannin. Sottimano in Neive baut seit über vierzig Jahren bio an, vergärt spontan und füllt ungefiltert: fünf Einzellagen-Barbareschi von Cottà bis Basarin, dazu ein straffer Langhe Nebbiolo als Einstieg. Olek Bondonio bewirtschaftet biodynamisch die Lage Roncagliette, Tür an Tür mit Gaja; sein Barbaresco Roncagliette DOCG 2023 zeigt dunkle Frucht, Kräuterwürze und eine salzig-mineralische Struktur, die der Lage eigen ist.

Biowein und Naturwein im Piemont: Valfaccenda und das Roero

Die leise Gegenbewegung zum übermächtigen Barolo spielt sich jenseits des Tanaro ab. Valfaccenda bewirtschaftet im Roero dreieinhalb Hektar auf sandigen Steilhängen, teils mit Rebstöcken von 1947, bio-zertifiziert und mit dem Leitsatz, dass alles schon in der Traube liegt. Der Roero rosso verbringt drei Wochen auf der Maische und duftet nach Sauerkirsche und wilden Kräutern, der Valmaggiore Riserva aus den historischen Sandlagen Mompellini, Loreto und San Grato zeigt, wie tiefgründig Roero-Nebbiolo werden kann. Wer Biowein aus dem Piemont sucht, findet hier die konsequenteste Spur: Valfaccenda, der biodynamische Olek Bondonio und der lange bio arbeitende Betrieb Sottimano verzichten auf Zusätze, filtern nicht und lassen die Böden sprechen. Ein Naturwein aus dem Piemont unterscheidet sich dabei nicht in der Rebsorte, sondern in der Haltung: weniger Holz, weniger Eingriff, mehr Herkunft im Glas.

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