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Burgenland

Am Ostufer des Neusiedlersees flacht das Land ins pannonische Tiefland ab, der flache Steppensee heizt die Sommer und die kühlen Nächte halten die Säure in den Trauben. Hier zwischen Gols, Apetlon und dem Kalkstein des Leithagebirges wächst Österreichs großer Rotwein aus Blaufränkisch und Zweigelt, dazu Chardonnay und Welschriesling von salziger Frische. Heinrich arbeitet seit Jahren biodynamisch und füllt Orange Wines und ungeschwefelte Naturweine, Moric keltert Blaufränkisch von burgundischer Kühle aus alten Reben in Lutzmannsburg, und Meinklang bewirtschaftet in Pamhagen einen Demeter-Hof mit Weinbau und Angus-Rindern. Wer Biowein aus dem Burgenland sucht, findet hier die prägenden Adressen.




Mehr über Burgenland

Neusiedlersee, Leithaberg und der Eisenberg im Süden

Der Neusiedlersee prägt die Weine des nördlichen Burgenlands wie kaum ein anderer Faktor: Das große, flache Wasser speichert die pannonische Sommerhitze, und die Nebel des Herbstes ließen im Seewinkel über Generationen edelsüße Weine von Weltruf entstehen. Rund um Gols liegen Kalk- und Schotterböden, auf denen Blaufränkisch und Zweigelt zu kraftvollen, würzigen Rotweinen reifen; hier entstand auch die Idee der Pannobile-Weine, die Hans Nittnaus mitgeprägt hat. Westlich des Sees schiebt sich mit dem Leithagebirge ein Kalk- und Schieferkamm in die Ebene, dessen steile Rieden wie der Altenberg bei Jois dem Blaufränkisch straffe Mineralität geben und als Leithaberg DAC eine eigene Herkunftsbezeichnung tragen, die auch für Weißweine aus Weißburgunder und Chardonnay gilt. Weiter südlich sorgt der eisenreiche Schiefer des Eisenbergs bei Deutsch Schützen für die kühlste, straffste Seite der Sorte, die Clemens Krutzler mit natürlichen Hefen und leichtem Ausbau interpretiert.

Blaufränkisch zwischen Lutzmannsburg und Weltgeltung

Die rote Leitsorte des Burgenlands galt lange als rustikaler Hauswein, bis Winzer wie Roland Velich von Moric ihre Möglichkeiten neu vermaßen. In Lutzmannsburg wachsen alte Reben auf einem tonreichen Plateau über vulkanischem Grund; Velich vinifiziert sie mit burgundischem Ansatz, spontaner Gärung und wenig Eingriff zu Weinen von kühler Eleganz statt warmer Opulenz. Der Lutzmannsburg Alte Reben 2021 zeigt das konzentriert: dunkle Beeren und Cassis, eine fein geschliffene Tanninstruktur und eine Tiefe, die den Wein über Jahre trägt. Daneben steht in Gols die Familie Nittnaus Anita & Hans, seit 2007 strikt biodynamisch, deren Pannobile-Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt die Kraft der Kalk- und Schieferböden am Ostufer bündelt. Ein Blick in die Jahrgangstabelle hilft zu erkennen, wie gut diese strukturierten Rotweine altern.

Heinrich, Meinklang und der Naturwein vom See

Nirgendwo in Österreich ist der Naturwein so selbstverständlich angekommen wie hier. Gernot und Heike Heinrich haben das Weingut Heinrich in Gols von zwei auf rund hundert Hektar ausgebaut, arbeiten Demeter-zertifiziert und gehören dem Verband respekt-BIODYN an; im Keller stehen Amphoren und Holzfässer vom Fassbinder der Region. Ihre Orange Wines reifen bis zu vierzehn Tage auf der Maische, und der Roter Traminer Freyheit 2022 duftet nach Aprikose, Rose und Ingwer, bleibt aber frisch und strukturiert, wo andere Sortenweine breit werden. In Pamhagen, am tiefsten Punkt Österreichs, verwebt die Familie Michlits auf ihrem Demeter-Hof Meinklang Weinbau, Viehzucht und Ackerbau; über dreihundert Angus-Rinder liefern den Dünger, die Weine gären spontan, und die Mulatschak-Cuvées bringen unkomplizierte Lebendigkeit ins Glas.

Chardonnay, Welschriesling und die weiße Seite des Seewinkels

Die Weißweine des Burgenlands werden oft unterschätzt, dabei setzen die Brüder Heinz und Roland Velich in Apetlon seit Jahren Maßstäbe. Ihre Chardonnays wachsen auf kalkhaltigen Böden und reifen mit der Geduld, die große Weißweine brauchen; der Tiglat 2022 verbindet burgundische Anklänge mit pannonischer Kraft, Zitrusfrucht und reifem Pfirsich über einer prägnanten Mineralität. Der Welschriesling wiederum zeigt am See zwei Gesichter: trocken und salzig ausgebaut, wie ihn Clemens Krutzler vom Eisenberg bringt, oder als edelsüße Beerenauslese, für die der Herbstnebel des Seewinkels die Voraussetzung schafft. So entsteht zwischen Steppe, Kalk und See eine Bandbreite, in der sich trinkfreudige Naturweine und lagerfähige Lagenweine aus derselben Haltung speisen.

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